PLATTFORM IS KING

„Deutsche Unternehmen ignorieren die Plattform-Ökonomie“ – so lautet das Fazit einer aktuellen repräsentativen Bitkom Research Umfrage, die mit 503 deutschen Unternehmen durchgeführt wurde. Besonders brisant ist die Tatsache, dass nur etwa sechs von zehn der befragten Geschäftsführer und Vorstände etwas mit den Begriffen #PlattformÖkonomie, #PlattformMärkten oder #digitalenPlattformen anfangen können.

Diese Studie zeigt, dass Plattformen zwar (un)bewusst in irgendeiner Form genutzt werden, ihr ökonomisches Potenzial von Unternehmen in Deutschland jedoch noch nicht erkannt wird – was im Umkehrschluss zu einem „digitalen Transformations-Dilemma“ führt. Vor dem Hintergrund besteht die Intention dieses Artikels darin, eine kurze Einführung in das Thema digitale Plattformen zu geben und gleichzeitig eine Verbindung zur digitalen Geschäftsmodellentwicklung herzustellen.

Was versteht man unter einer digitalen Plattform?

Im Buch „Digital Business Modelling“ werden ‚digitale Plattformen‘ aus der informatischen Perspektive als Computer definiert, welche die Grundlage für verschiedene Anwendungen von Softwareprogrammen bilden.

Demnach zeichnet sich eine digitale Plattform dadurch aus, dass die Transaktionen (der Austausch von Leistungen und Gegenleistungen) mittels IP-Verbindung über technische Schnittstellen ablaufen und dadurch von dem Plattformbetreiber erfasst, gemessen (z.B. Conversion Rate, Tracking) und ökonomisch verwertet werden können. Dieser Aspekt beschreibt den eigentlichen Hauptunterschied zwischen digitalen und nicht-digitalen Geschäftsmodellen.

Worin unterscheiden sich digitale Plattformen?

Plattformen können in stärker Software-orientierte (z.B. Netflix) oder stärker Hardware-orientierte (z.B. Smart-TV oder Smartfridge) Plattformen differenziert werden. Bei einer reinen Software-Plattform wird häufig auch von einem „Bring Your Own Device (BYOD)“ Modell gesprochen, da der Anwender die hierfür benötigte Hardware, das Betriebssystem sowie die Netzwerkausstattung selbst bereitstellen muss, um auf die Inhalte zugeifen zu können.

Bei einer Hardware-Software-Plattform hingegen, liefern die Anbieter neben der Softwarelösung auch die komplette technische Ausstattung mit, d.h. vom Eingabe- über Ausgabegerät bis hin zum Verbindungssystem (z.B. WLAN). In diesen Fällen muss der Anwender keinerlei technische Ausstattung selbst beschaffen (z.B. modernes Auto oder Bluesmart Koffer). Diese Form der Plattformgestaltung wird oftmals als Internet of Things (IoT) bezeichnet.

Digitale Plattformen stellen menschlichen Anwendern oder anderen digitalen Plattformen (z.B. Spotify in Verbindung mit PayPal) eine Leistung zur Verfügung und erhalten dafür eine Gegenleistung (monetäre oder nicht-monetäre Gratifikation).

Plattform is King!

Im Zuge der Digitalisierung, das heißt insbesondere der Verbesserung und Miniaturisierung der Computer- und Netzwerktechnologien, können immer mehr materielle Objekte (IoT) zu Computern umfunktioniert und zu vernetzten Computernetzwerken erweitert werden (z.B. Waschmaschine mit integrierter Software oder Supermärkte wie Amazon Go). Gleichzeitig nutzen immer mehr Menschen digitale Computer (z.B. Smartphone oder Tablet-PC) und können damit wiederum die digitalen Leistungen anderer Plattformen abrufen. Laut Statista nutzten 2016 bereits 49 Millionen Menschen Smartphones (2015: 46 Mio.). Der ARD/ZDF Onlinestudie zufolge steht die Smartphonenutzung (49 %) – in Bezug auf die Internetnutzung – somit vor der Laptopnutzung (25 %) und der Tabletnutzung (18 %) an erster Stelle.

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Visualisierung: Malte von Thiesenhausen (Visual Facilitators)

Ein Beispiel: Autos sind heute im eigentlichen Sinne fahrende Computer. In einem modernen Kraftfahrzeug sind durchschnittlich 50 vernetzte Computer verbaut, die miteinander interagieren. Von der Einparkhilfe und Zentralverriegelung über die Klimaanlage bis hin zum Navigationssystem. All diese Computersysteme (in Verbindung mit Sensoren und Aktoren), transformieren das Auto zu einer mobilen Hardware-Software-Plattform, um die herum zahlreiche digitale Geschäftsmodelle entworfen werden können.

Allerdings fehlt für die Anbieter bei den meisten Autos gegenwärtig noch die Möglichkeit, auf diese Computersysteme zugreifen zu können, um die Transaktionen zwischen dem Fahrer und dem Fahrzeug messen und wirtschaftlich verwerten zu können.

Das heißt, ein digitales Geschäftsmodell im Automobilsektor entsteht erst dann, wenn von den Autoherstellern realisiert wird, dass die Leistungen und Gratifikationen über User-Interfaces oder Software-Schnittstellen erfasst und ausgetauscht werden können.

So könnten Funktionen, die im Auto derzeit zwar schon verbaut aber noch nicht freigeschaltet worden sind, dem Fahrer kostenpflichtig angeboten werden. Angefangen vom Verkauf von Informations- und Entertainmentservices  bis hin zum Vertrieb zusätzlicher Motorleistung bei Autobahnfahrten, wie es die nachfolgende App „Car-Net“ von Volkswagen exemplarisch zeigt:

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„Car-Net“ von Volkswagen, Screenshot

Allein das hier beschriebene Beispiel macht deutlich, dass theoretisch und praktisch Millionen von Möglichkeiten existieren, Objekte zu digtalen Plattformen zu transformieren, innerhalb derer oder auch um diese herum digitale Geschäftsmodelle gestaltet werden können.

Wie findet man innovative Ideen für digitale Plattformen
und wie können daraus erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle entstehen?
Wir beraten Sie gern: www.dci-institute.com

In Kürze erscheint die 2. Auflage des Buches „Digital Business Modelling“ von Christian Hoffmeister mit zahlreichen Erläuterungen und praktischen Beispielen.


In unserem DCI Academy Workshop „Digital Business Models Camp„zeigen wir Ihnen, wie Sie bekannte digitale Geschäftsmodelle in den Bereichen:
Internet of Things, Content-, Commerce- und Affiliate-Modelle
mit dem DVC Framework konzipieren, prototypen und realisieren können.

Impressionen aus dem Workshop:

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Das Paid Content Drama der Zeitungen

Die meisten Zeitungsverleger in Deutschland gehen, meiner Beobachtung und Erfahrung nach, frei nach dem Motto vor: „Was wir machen ist sinnvoll und zielführend – wer etwas anderes behauptet hat keine Ahnung.“

Und für den Paid Content Erfolg muss man nur eine Schranke vor dem, was eh schon da ist, herunter lassen, dann stellt sich der Erfolg von alleine ein.
Und egal wie es läuft – alles wird dann passend zu dem gewünschten Ergebnis interpretiert! So nachzulesen unter:

http://blog.rhein-zeitung.de/27988/update-zahlen-ueber-rhein-zeitung-de-aus-dem-dezember-2014/

Der Digital Chef der Rhein-Zeitung Marcus Schwarze sieht bei der Analyse der eigenen Zahlen gar ein Wachstum – trotz Bezahlschranke. Und wenn die Zahlen zurückgehen, dann ist es – Zitat Digital-Chef der Rheinzeitung – „…den Feiertagen geschuldet..“
Natürlich – an was soll es denn sonst liegen?

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Digitale Agenten betreffen jedes Business

In meinem Buch digitale Geschäftsmodelle, spielen Regelwerke, die mittels Software-Agenten abgebildet und in das eigen Geschäftsmodell integriert werden eine entscheidende Rolle. Diese können überall gesucht, definiert und dann umgesetzt werden. Besonders sinnvoll sind diese Umsetzungen, wenn diese Transaktionskosten (Suche, Aufwand, Anpassung…) für die User senken. Diese Vorgehensweise kann man sehr schön am Beispiel „Lotto“ darstellen.

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Wenn der Container über Bord geht – ist der Content auch hinüber

TV, Zeitungen und Zeitschriften hatten früher einen eigenen exklusiven Kanal oder auch Container. Terrestrisches Signal oder bedrucktes Papier in diesem Container waren die Formate und Inhalte gefangen. Die Kernleistung der sogenannten Medienunternehmen bestand darin den Container regelmäßig und vor allem dauerhaft zu befüllen und Just-in-Time an eine disperse (oder bei Abonnenten halb-disperse) Masse zu transportieren. Die einen schneller (TV) die anderen langsamer.

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